Dr. Melitta Jonas, Monaco Lifestyle Magazine

Art Deco – Kunst des Historismus?

Sonderausstellung im Schloss Wernigerode vom 30. Juni bis 3. November 2019

Dr. Melitta Jonas fungierte gemeinsam mit Dr. Christian Juranek und Ulrich Feldhahn M.A. als Kuratorin und konzipierte die Ausstellung auf Schloß Wernigerode. Weiters verfasste sie verschiedene Beiträge für den Katalog “ART DECO – Kunst des Historismus?”, der als umfangreicher, 488-seitiger Begleitband der “Edition Schloß Wernigerode” erschien.

Die in Berlin lebende Kunsthistorikerin und Expertin für europäisches Kunsthandwerk hat bereits zahlreiche grosse Ausstellungen für Museen und Schlösser organisiert, darunter „Onder den Oranje boom – Niederländische Kunst und Kultur im 17. und 18. Jahrhundert an deutschen Fürstenhöfen“ im Schloß Oranienburg und dem Königspalast Het Loo in Apeldoorn, „Frühes Meissner Porzellan – Kostbarkeiten aus deutschen Privatsammlungen“ im Hetjens Museum Düsseldorf und Albertinum in Dresden, „Gold und Silber für den König – Johann George Hossauer (1794-1874) Goldschmied Sr. Majestät des Königs“ im Schloß Charlottenburg.

Ihre erstklassigen Kontakte zu Museen, Sammlern und Kunsthändlern verhalfen auch dieser Ausstellung zu besonderen, teilweise erstmalig präsentierten Leihgaben.

Dr. Melitta Jonas, Monaco Lifestyle Magazine
Dr. Melitta Jonas

Zu den Highlights der Ausstellung zählen Möbel des Hofkunsttischlers Kaiser Wilhelms II., Wilhelm Kimbel, aus dem Stadtmuseum Berlin, dem Kunstgewerbemuseum Staatliche Museen Preussischer Kulturbesitz und der legendären Villa Stauss in Berlin-Dahlem. Diese Villa, die zu den schönsten Politikerdomizilen in Deutschland gehört, war die ehemalige Residenz der amerikanischen Stadtkommandanten und Dienstvilla der Bundesaußenminister.

Im Festsaal prunkt auf einer langen Tafel der „Hochzeitszug“ von Adolph Amberg, ausgeführt von der Königlichen Porzellanmanufaktur (KPM) Berlin, um 1909, der seit seiner Entstehung noch niemals komplett mit allen zwanzig Figuren gezeigt wird.

In einem phantastischen Raum zum Thema Schaufenstergestaltung im frühen 20. Jahrhundert wird erstmalig der singuläre Spieltisch von Oskar Kaufmann und César Klein aus der Villa Lewin in Breslau 1917-1921 präsentiert.

Festsaal Villa Strauss; Monaco Lifestyle Magazine
Festsaal

Dem vierzehntägigen Ausstellungsaufbau folgte am 29. Juni eine Eröffnung der besonderen ART. Dem Thema angemessen erschienen das Ausstellungsteam und die meisten der Besucher mit Kostümen oder Accessoires im Stil der Zwanziger Jahre. Die Tänzerinnen der „Berlin Belles“ begeisterten das Publikum mit Charleston Darbietungen auf einer Bühne im Innenhof. Bei den anschließenden, von den drei Kuratoren geführten Rundgängen, begegneten den Besuchern in den Ausstellungsräumen Mitglieder der „Gesellschaft für mondäne Unterhaltung“ aus Berlin in Kleidung im Stil der 1920er Jahre.

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Abholung von Leihgaben aus der Villa Stauss
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Erste Impressionen zur Ankunft und zum Aufbau der Ausstellung auf Schloß Wernigerode.

Fotos: (c) Dr. Melitta Jonas

Thematisch versteht sich die Ausstellung als Gegenpol zum Bauhaus. Zu jener Zeit, als der Erste Weltkrieg zu Ende war und Walter Gropius in Weimar das Bauhaus gründete, ließ sich auch Fürst Christian Ernst zu Stolberg-Wernigerode im Schloss von der Aufbruchstimmung anstecken und ließ Räume modernisieren – ganz im Stil des Art Déco, einer Kunstströmung voller Ambivalenz. Sie steht für vielfältige Einflüsse, historische Vorbilder, hochwertige Materialien, auffallendem Dekor. Betraut wurde mit Umbauarbeiten der preussische Hofkunsttischler Wilhelm Kimbel mit seiner Firma Kimbel & Friederichsen, der in Berlin Hauptausstatter des Hotels Adlon war und viele Arbeiten Berliner Stadtschloss und im Kronprinzenpalais ausführte.

Benannt wurde die Stilrichtung des Art Déco rückblickend nach einer 1925 in Paris veranstalteten Gewerbeschau der „Arts Décoratifs et industriels modernes“. Das Art Déco war eine vielgestaltige Kunstform, die sich insbesondere im Bereich der angewandten Kunst, aber auch der Architektur und Mode etablierte. Seine raffinierte Eleganz und kühle Sinnlichkeit verkörpern bis heute ein Ideal und Lebensgefühl der „Goldenen Zwanzigerjahre“.

Präsentiert werden in der Ausstellung etwa 400 Objekte, darunter herausragendes Kunsthandwerk aus Porzellan, Glas und Metall, Mobiliar, Gemälde, Grafik, Fotografien und Bücher. Sie entstammen zahlreichen öffentlichen und privaten Sammlungen u.a. aus Augsburg, Berlin, Dresden, Trier und New York; viele davon sind erstmals zu sehen. Der Potsdamer Modedesigner Wolfgang Joop hat sechs Entwurfszeichnungen eigener Hand ausgeliehen, die von der Art Déco-Mode beeinflusst sind.

Nähere Informationen zu diesem Kulturereignis können Sie unter folgendem Link nachlesen:

Schloß Wernigerode

Die Sonderausstellung ist noch bis 3. November 2019 auf Schloß Wernigerode zu sehen ist.

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